Insekten als Nahrungsmittel?

Von Torsten Seidel, aktualisiert am 24. Januar 2023

Immer häufiger ist zu lesen, dass Insekten die Nahrung der Zukunft sind und sie das Problem des Nahrungsmangels in lösen. Wenn man da bestrebt wäre, gäbe es ganz andere Möglichkeiten, Stichwort Lebensmittelverschwendung. Ein weiterer »Vorteil«: Sie sind billig in der Produktion und hoch im Gewinn der Unternehmen. Es wird sogar von »gesundheitlichen Vorteilen« gesprochen. So wurde die Hausgrille und der Getreideschimmelkäfer in der EU freigegeben. Doch sollten wir wirklich auf Insekten übergehen? Sind diese Tierchen wirklich nahrhaft und gut? Dem gehe ich in diesen Beitrag auf den Grund.

Insekten in Lebensmitteln – Fragen und Antworten

Es zeichnen sich im Moment verschiedene Entwicklungen ab, die teilweise bedenklich sind. Es geht um Tierwohl, der Umwelt und gelegentlich noch um gesundheitliche Aspekte. Letzteres kommt mir viel zu kurz.

Entwicklungen 1: Tierwohl

Immer mehr Menschen können das Tierleid nicht mehr ertragen und entscheiden sich für eine vegane Lebensweise. »Für mich muss kein Tier sterben«, so die Meinung vieler. Diesen Aspekt kann ich gut verstehen, wird die industrielle Massentierhaltung immer gravierender, was das Tierleid angeht. Es geht nur um Gewinne. Tiere sind eine Ware und die Haltung in der Massentierhaltung unterirdisch. Weniger als das erwähnte Tierwohl sind damit verbundene Krankheiten. Erst kürzlich deckte Foodwatch auf, dass knapp 40 % der Schweine krankhafte Befunde wie Lungenentzündungen, offene Wunden und Abszesse aufweisen. Bis zu 40 % der Milchkühe leiden an schmerzhafte Erkrankungen der Klauen, 50 % der Bio-Milchkühe haben Euterentzündungen. Und auch den Legehennen geht es nicht besser: 95 % weisen Foodwatch zufolge, Knochenbrüche auf (Quelle). Medikamente wie Antibiotika gehen auf den Konsumenten über.

Selbstverständlich gibt es auch heute noch Landwirte, die sich einer artgerechten Haltung und Versorgung verschrieben haben. Diese Produkte wird es aber in der Regel auch direkt im Hofeigenen Geschäft geben und nicht im Supermarkt oder Discounter um der Ecke.

Entwicklungen 2: Die Lebensmittelindustrie

Auch die Lebensmittelindustrie ist bestrebt, am veganen und vegetarischen Markt mitzuverdienen. Es fehlt inzwischen kaum eine Alternative, wie Würstchen, Bratwurst, Schnitzel etc. Ob diese Produkte wirklich gut sind, werde ich in einem anderen Beitrag beleuchten. Die Lebensmittelindustrie möchte natürlich auch den Marktanteil abschöpfen, der nicht vegan leben will. Der neue Ansatz: tierische Proteine selbst züchten, das sogenannte »In-vitro-Fleisch«.

Dies ist zu Recht sehr umstritten, da auch hier Tiere leiden müssen. Denn derzeit gibt es noch keine finale Alternative, um das notwendige fötale Kälberserum zu gewinnen.

Die Gewinnung von fötalem Kälberserum ist jedoch mit großem Tierleid verbunden und entspricht damit natürlich nicht dem Grundgedanken von kultiviertem Fleisch. Einer schwangeren Kuh wird dafür unmittelbar nach der Tötung im Schlachthof der Fötus aus der Gebärmutter geschnitten. Dem lebenden und unbetäubten Kalb wird dann, in der Regel durch einen Stich mit einer Nadel direkt ins Herz, alles Blut entnommen.

PeTA, https://www.peta.de/themen/laborfleisch

Entwicklungen 3: Insekten als Nahrung

Die dritte Entwicklung dreht sich um tierische Alternativen: Insekten.

Da die konventionelle Massentiertierhaltung Umweltprobleme verursachen soll und es ohne Tierleid industriell nicht geht, wurde nach einer weiteren Lösung gesucht. Dies auch, da immer mehr Menschen ernährt werden müssen …, so die Befürworter. Schon seit Jahren isst man Insekten als Delikatesse.

Ab Januar 2023 zugelassen

Insekten als Nahrung

Ab sofort finden wir Insekten in der Grundnahrung. Und dies bereits seit März 2022 (Quelle)! Ab dem 24. Januar 2023 sind Hausgrillen zudem als »teilweise entfettetes Pulver« und Getreideschimmelkäfer in der EU zugelassen (Quelle)!

Umso tiefer man recherchiert, des so absurder, wird das Ganze. So hat die EU Insekten, genauer gesagt »Hausgrillen« in Backwaren, Teigwaren sowie Teilfertigprodukte für die allgemeine Bevölkerung freigegeben, diese beizumischen. Auf der Zutatenlisten findet sich dann »Acheta domesticus« (mehr dazu weiter unten).

Es gibt derzeit keine Studien zur Verträglichkeit. Diese gibt es aber bei bereits vielen seit Jahrzehnten eingesetzten Inhaltsstoffen auch nicht. Vor allem die Kombination derer, wurde noch nie untersucht. Demnach gibt es keine Informationen bezüglich Allergien. Die EU hat deshalb entschieden, dass keine allergene Deklarierung nötig ist, »empfahl jedoch, die Allergenität von Acheta domesticus weiter zu erforschen.« (Quelle) Es besteht die Möglichkeit, dass eine Reaktion zustande kommt, wenn bereits eine Allergie auf Krebstiere, Weichtiere und Hausstaubmilben besteht. Ob es Reaktion auf verfütterten Substanzen zeigt, weiß derzeit niemand …

Laut »Amtsblatt der Europäischen Union vom 03.01.2023« (Quelle) darf sich das Pulver der Hausgrille (Acheta domesticus) in folgenden Lebensmitteln finden:

Mehrkornbrot und -brötchen

Cracker, Kekse

Brotstangen

Getreideriegeln

trockene Vormischungen für Backwaren

trockene, gefüllte und ungefüllte Erzeugnisse aus Teigwaren

Erzeugnissen aus Teigwaren

Soßen

verarbeitete Kartoffelerzeugnisse

Gerichten auf Basis von Leguminosen und Gemüse

Pizza

Molkenpulver

Fleischanalogen (vegetarische Fischalternativen, bei »Vegan« verboten)

Suppen und Suppenkonzentrate oder -pulver

Snacks auf Maismehlbasis

bierähnlichen Getränken

Schokoladenerzeugnissen

Nüssen und Ölsaaten

Snacks außer Chips sowie Fleischzubereitungen

Exklusiv für fünf Jahre darf es das Unternehmen Cricket One Co. Ltd. mit Sitz in Vietnam in Umlauf bringen.

Ein weiteres neu zugelassenes Insekt: Getreideschimmelkäfer

Die Larven des Getreideschimmelkäfer (Alphitobius diaperinus) sind ebenfalls ab Januar 2023 in der EU zugelassen (EU-Verordnung 2023/58). Dies in gefrorener, pastenartiger, getrockneter und pulverisierter Form. In den Verkehr bringen darf es exklusiv für fünf Jahre die niederländische Firma »Ynsect NL B. V.«. Weiterhin beschrieben: »Die ganzen Getreideschimmelkäfer sind für den menschlichen Verzehr bestimmt, es werden keine Teile entfernt.«

Weiter heißt es in der Verordnung: »Vor dem Abtöten der Insekten durch eine Hitzebehandlung ist eine Futterkarenz von mindestens 24 Stunden erforderlich, damit die Larven ihren Darminhalt abgeben können.« In folgenden Produkten kann der Getreideschimmelkäfer enthalten sein:

Getreideriegel

Brot und Brötchen

verarbeitetem Getreide

Frühstückscerealien und Porridge

Vormischungen (trocken) für Backwaren

getrockneten Erzeugnisse aus Teigwaren

gefüllten Erzeugnisse aus Teigwaren

Molkenpulver

Suppen

Gerichten auf Getreide-, Teigwarenbasis

Gerichten auf Pizzabasis

Nudeln

Snacks außer Chips

So wird deklariert

Die Grille soll auf der Zutatenlisten folgendermaßen deklariert werden: »teilweise entfettetes Pulver aus Acheta domesticus (Hausgrille)«.

Der Getreideschimmelkäfer soll auf der Zutatenlisten folgendermaßen deklariert werden: »gefrorene Larven/Paste aus Larven von Alphitobius diaperinus (Getreideschimmelkäfer)« oder »getrocknete Larven/Pulver aus Larven von Alphitobius diaperinus (Getreideschimmelkäfer).

Meine Vermutung: Es ist davon auszugehen, dass es dafür bald eine E-Nummer geben wird.

Es (bleibt also) der sorgfältige Blick auf die Zutatenliste!

Publikation der Universität León: Gefahr für die Gesundheit

Das Forscherteam um Carlos Alonso Calleja, Camino González Machado, David Jimenez De Juan und Rosa Capita Gonzalez der Veterinärmedizinischen Fakultät der Universität von León (ULe), untersucht laut Informationen der spanischen Website »agrodiario.com« den Verzehr von Insekten. Die Forscher sind zu dem Schluss gekommen, dass »der Verzehr von Insekten auch Gesundheitsrisiken birgt« und »mehr Forschung erforderlich ist«, bevor ihre Aufnahme in die Nahrungskette normalisiert wird.

Die Studie kam ans Licht, nachdem die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) Insekten als Strategie zur Bekämpfung des Hungers bezeichnet hatten. Darin haben die Forscher zunächst positiv beurteilt:

»Diese Tiere sind eine alternative und nachhaltige Quelle für hochwertiges Protein, essenzielle Fettsäuren und Mikronährstoffe. Ferner sind sie aus technologischer und kulinarischer Sicht vielseitige Produkte, da sie zerkleinert verarbeitet werden können. Das reduziert die Ablehnung beim Verbraucher. (…) Die Produktion von Insekten ist günstiger für die Umwelt als die traditionelle Tierhaltung« (…) Ihre Produktion und ihr Konsum haben auch wichtige wirtschaftliche Bedeutungen. So ist der Marktpreis von Insekten in den Ländern, die über gut etablierte Produktionssysteme und Vermarktungswege verfügen, um ein Vielfaches höher …«. (…) »Diese Daten, zusammen mit der Tatsache, dass die Produktion von Insekten billiger ist als die von Nutztieren, weisen auf eine gute Geschäftsmöglichkeit hin. Allerdings gibt es Nachteile, wenn wir über den Verzehr von Insekten sprechen, da ihr Verzehr einige potenzielle Gesundheitsrisiken birgt.«

https://www.agrodiario.com/texto-diario/mostrar/3774350/estudio-ule-concluye-consumo-insectos-conlleva-riesgos-salud

Die Fakultät hat herausgefunden, dass der Verzehr von Insekten eine Gefahr für die menschliche Gesundheit darstellen könnte. Es könnten Allergien hervorgerufen werden. Das Polysaccharid »Chitin« (Hauptmaterial, aus dem das Exoskelett von Arthropoden besteht) soll laut der Publikation unverdaulich sein, oder die Verdauung einschränken. Ferner sind u.a. Tannine, die zusammen mit Proteinen unlösliche Komplexe bilden und deren Bioverfügbarkeit reduzieren. So wird die Aufnahme von Mineralstoffen wie Calcium, Zink, Mangan, Eisen und Magnesium reduziert. Aber auch die Aufnahme sekundärer Pflanzenstoffe und Proteine soll erschwert werden. Herausgefunden wurde auch, dass es zu Hyperglykämie (erhöhter Blutzuckerspiegel) kommen könnte.

Zusammengefasst, die Aufnahme von Mineralstoffen, Vitaminen und Proteinen wird erschwert oder verringert. Ferner könnten die Tiere Giftstoffe enthalten, die sie aufgenommen haben.

Die Studie zeigt auch auf, dass die Alkaloide ab bestimmten Dosen für Verbraucher giftig werden könnten. Einige Insekten, wie die Puppen der afrikanischen Seidenraupe (Anaphe venata) Thiaminase enthalten und deren Einnahme Vitamin B1 (Thiamin) zerstört und somit zu Mangelerscheinungen führt.

Ebenso weist die Studie auf die Risiken kryptotoxischer Insekten hin. Das sind Insekten, die Umweltgifte oder Gifte über die Nahrung aufnehmen. »Deren Verzehr sollte vermieden werden, da sie Steroidhormone wie Testosteron enthalten«. Andere Substanzen, die in kryptotoxischen Insekten gefunden werden konnten, sind Cyanogene Glykoside (ein verbreitetes Pflanzengift; in einigen Schmetterlingen vorhanden), die bestimmte lebenswichtige Enzyme hemmen. Oder »Toluol«, ein Giftstoff, der Gehirn, Leber und Nieren angreift. Diese chemische Verbindung wurde in der Familie der Cerambyciden der Gattung Syllitus gefunden.

Der permanente Verzehr dieser »Produkte«, so die Studie, könnte zum verzögerten Wachstum, Hypofertilität (Unfruchtbarkeit), Vermännlichung der Frau, Ödemen, Gelbsucht und Leberkrebs führen.

Exkurs: Was sagt die Bibel dazu?

Als gläubiger Mensch frage ich mich auch, was die Bibel dazu sagt. Es ist unglaublich, dass unter anderem Insekten benannt werden. Im ersten Kapitel wird beschrieben, welche Tiere rein und welche unrein sind. Die reinen waren nach der Sintflut aus Mangel an pflanzlicher Nahrung erlaubt. Zu den Insekten heißt es:

Alle krabbelnden und fliegenden Insekten sollt ihr verabscheuen, außer denen, die Sprungbeine haben und am Boden hüpfen. Ihr dürft also die verschiedenen Heuschreckenarten essen. Aber alle anderen Insekten sollt ihr verschmähen!

3.Mose 11,20-23 Hfa Übersetzung

Damit würden in der Natur gefangene Heuschrecken theoretisch essbar sein. Bleibt noch immer die Tatsache, dass sie Giftstoffe aufnehmen können, die es damals nicht gab. Andere Insekten fallen aber alle in die Kategorie »unrein«. Wie ich bereits hier aufgezeigt habe, lässt sich die Ordnung zwischen rein und unrein wissenschaftlich belegen. Unreine Tiere können so wissenschaftlich als »ungesund« klassifiziert werden.

Mein Fazit

Als reines Insekt könnte man die Heuschrecke und damit auch die Grille essen. Kommt diese aus dem Labor, würde ich das nicht mehr so sehen. Schließlich ernähren sich die Tierchen dort mit vermutlich tausenden nicht natürlich. Alle anderen Insekten, wie auch Käfer und Maden, Schmetterlinge und Co, fallen durchs Raster.

Wie die Studie aufgezeigt hat, ist auch hier der Grund zu erkennen. Es gibt begründete gesundheitliche Risiken, die nicht ausgeblendet werden können. Für uns Verbrauchen gibt es zumindest wo deklarationspflichtig die Möglichkeit die Zutaten zu studieren. Für mich ist das schon lange Alltag geworden, da ich auch auf anderen Inhaltsstoffen achte und teilweise achten muss.

Fragen und Antworten

Ist es gesund, Insekten zu essen?

Die Heuschrecke soll eine gute Quelle von Omega-3-Fettsäuren, B-Vitaminen und wichtigen Mineralstoffen sein. Alle diese Inhaltsstoffe finden wir aber auch in einer generell gesunden Ernährung.

Ist es schädlich, Insekten zu essen?

Forscher der Universität von León, Spanien, sowie weitere Untersuchungen kommen zu dem Schluss, dass der Verzehr von Insekten gesundheitliche Risiken mit sich bringen kann. Vor einem häufigen Verzehr wird abgeraten.

Sind Insekten koscher?

Laut Bibel (3.Mose 11) gibt es reine und unreine Tiere: Alle Insekten bis auf die Heuschrecke sind unrein. Damit sind Lebensmittel, die andere Insekten enthalten, für Juden, aber auch bibeltreue Christen nicht für den Verzehr geeignet.

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