Mönchengladbach will Reallabor für elektrisches Fliegen werden

Der kleine Flughafen Mönchengladbach will sich als Kompetenzzentrum für Luftfahrt mit elektrischem Antrieb etablieren. Am Freitag drehte erstmals ein E-Flugzeug am MGL seine Platzrunden.

Bereits seit 2019 forscht der Flughafen Mönchengladbach im Rahmen des vom BMVI geförderten Projekts SkyCab unter der Leitung der FH Aachen zu den Chancen und notwendigen Innovationen für Lufttaxis in der Region Euregio Rhein Maas. Der Nutzen solcher wendigen elektrischen Fluggeräte steht außer Frage. Sie bringen Menschen klimaneutral zum Geschäftstermin, liefern lebensnotwendige Medikamente oder evakuieren Menschen aus schwer zugänglichen Gebieten.

Jetzt haben die FH Aachen und der Flughafen Mönchengladbach ihre Zusammenarbeit beim Themenfeld elektrisches Fliegen verstärkt und den ersten Testflug mit einem manntragenden Elektroflugzeug von Aachen nach Mönchengladbach erfolgreich realisiert. Die Strecke eignet sich aufgrund von Distanz und Batterie-Reichweite gut und liefert in einem dichten Ballungsraum zudem aussagekräftige Ergebnisse für spätere Einsatzgebiete elektrischer Fluggeräte wie SkyCab. Unterstützt wird das Vorhaben vom Land NRW, das das eingesetzte Elektroflugzeug der Westflug Flight Training GmbH & Co.KG (Velis Electro des slowenischen Herstellers Pipistrel) fördert. Velis Electro ist das erste Elektroflugzeug der Welt mit einer Zulassung von der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (EASA). Die zweisitzige Maschine entspricht mit 10,50 Metern Spannweite der Dimension des künftigen SkyCabs.

Elektrische Mobilität braucht die entsprechende Ladeinfrastruktur. Daher hat die Bezirksregierung auch ein Batterieladegerät gefördert, das Anfang November am Flughafen Mönchengladbach installiert wurde. Ziel ist es, NRW zu einem Hub für grüne Mobilität und elektrisches Fliegen auszubauen. Der Flughafen Mönchengladbach geht hier als Teil des landesweiten Ladenetzes mit großen Schritten voran und speist das Elektroladegerät mit eigenem grünem Photovoltaik-Strom. Der MGL produziert aktuell ca. 20 Prozent seines Strombedarfs über eine Photovoltaikanlage, weitere Installationen für Solarstrom sollen folgen.

Einsatzgebiet: Flugschule

Neben der Forschung ist elektrisches Fliegen schon heute Thema in der Pilotenausbildung. Der MGL bietet hier beste Voraussetzungen, da er mit mehreren Flugschulen am Platz bereits über einen Ausbildungsschwerpunkt mit entsprechender Infrastruktur verfügt. Der Vorteil: Elektroflugzeuge schonen nicht nur das Klima, sie sind auch wesentlich leiser als Flugzeuge mit konventionellem Antrieb. Bei über 100 Starts und Landungen am MGL pro Tag ist das für die Beschäftigten am Platz und die Anwohner ein gewichtiges Argument.

Gemeinsam mit den Flugschulen am Platz eruiert der MGL entsprechende Einsatzmöglichkeiten für Elektroflugzeuge. Der Flughafen Mönchengladbach kann dabei auf Erfahrung von Westflug und von der eFlight Academy zurückgreifen. Beide Flugschulen bilden ihre Piloten bereits auf Pipistrel Velis Electro-Flugzeugen aus. Ergänzend steht am MGL ein Ausbildungskonzept speziell für Lufttaxi-Piloten auf der Agenda.

Zukunft: CO2-neutrale Antriebe

Die Forschung zu einer klimaneutralen Mobilität wird auch nach Ablauf des SkyCab-Projekts am MGL weitergeführt. Frühzeitig hat sich der Flugplatz um Folgeprojekte beworben. Für das Forschungsprojekt OpAL (Operationelle Auswirkungen von neuen Antrieben in der Luftfahrt) kam jetzt die Förderzusage. Gemeinsam mit renommierten Konsortialpartnern wie Boeing, SAP und den Technischen Hochschulen in Braunschweig und Darmstadt forscht der MGL zu Verfahren und Prozessen rund um CO2-neutrale Antriebe via Brennstoffzelle, Wasserstoff und Elektrizität. Dabei geht es sowohl um Fragen der Logistik (Versorgungsfahrzeuge und Betankung) als auch um die Ausarbeitung der bodenseitigen Prozesse, um Notfallmanagement und bauliche Anforderungen etwa an Vertiports für Lufttaxis. Das Projekt startet am 1. Januar 2023 und ist auf zwei Jahre ausgelegt.

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