Verträge leichter kündigen: Ist damit das Ende der SIM-Karte gekommen?

Ab 1. Dezember gilt das neue Telekommunikationsgesetz. Auf Mobilfunk-Kunden kommen damit Zeiten bisher unbekannter Freiheit zu. Dafür sorgen etwa kurze Kündigungsfristen. Doch die TKG-Novelle könnte noch ganz andere Folgen haben und uns die klassische SIM-Karte kosten.

Hand aufs Herz, wer hat sich schon mal ernsthaft mit eSIM beschäftigt? Dabei steht die müllfreie und flexible Alternative zur klassischen SIM-Karte eigentlich seit Jahren zur Verfügung. Die drei großen deutschen Mobilfunk-Provider Telekom, o2 und Vodafone haben jeweils eigene Angebote, auch abseits davon gibt es bereits einige Auswahl.

Verhilft die TKG-Novelle der eSIM bei Telekom und Co. zum Durchbruch?

Trotzdem führen rein digitale Mobilfunkverträge bisher ein Schattendasein. Doch mit den Vorschriften des neuen Telekommunikationsgesetzes (TKG) könnte sich das bald ändern. Sie sprechen Verbrauchern etwa bei der Kündigung ihres Vertrags mehr Rechte zu, Wechsel in andere Tarife oder zu anderen Anbietern werden einfacher. Das wiederum vertrage sich besonders gut mit einer eSIM, argumentiert die Wirtschaftswoche.

Dabei ist die Idee recht einfach: Wer bisher einen Mobilfunkvertrag abschließt, erhält meist Tage später mit der Post die SIM-Karte. Einen Aktivierungscode gibts es getrennt davon ebenfalls per Brief meistens am Folgetag. Mit dem bereits in einigen Geräten verbauten eSIM-Chips lässt sich der Aufwand umgehen. Einmal online den Vertrag abschließen oder auch neue Optionen zu- oder abbuchen und mit eingescanntem QR-Code ist alles erledigt. Statt Tagen bis Wochen dauert das höchstens Minuten.

Wer sich als Verbraucher schon einmal länger Gedanken gemacht hat, welcher Anbieter oder Tarif denn nun der richtige ist und darüber einem Fristende gefährlich nahe gekommen ist, wird diese Möglichkeit zu schätzen wissen. Klingt alles ganz flexibel – und das ist es auch. Passt also tatsächlich gut zu den neuen Vorschriften.

Noch hält die eSIM bei günstigen Smartphones nicht Einzug. Bis sich das ändert, findet ihr im Video unsere Schnäppchen-Empfehlungen:

Aber was steht dieser Flexibilität noch im Weg? Die starren Vertragsstrukturen werden dank TKG-Novelle schrittweise aufgebrochen, o2 geht beispielsweise schon jetzt weiter als es das Gesetz verlangt.

Andere Hindernisse sind schwieriger zu überwinden. Zum einen gebe es bisher verhältnismäßig wenige Geräte, in denen eSIM-Chips verbaut sind. iPhones sind dabei vorne mit dabei und auch sonst finde man die praktischen Chips eher in High-End-Geräten – neben Smartphones auch in Tablets, Laptops, IoT-Geräten und bereits jetzt vor allem in Fitnesstrackern und Smartwatches. Am Handy-Markt ist „eSIM-ready“ aber noch eher die Ausnahme.

Drittens – da müssen wir auch mal selbstkritisch sein – steht widersprüchlicherweise dem Siegeszug der eSIM die Bequemlichkeit von uns Kundinnen und Kunden gegenüber. Die Gewohnheit siegt meist einige Zeit über technisch mögliche Neuerungen.

Das Ende der SIM-Karte ist noch nicht gekommen

Ab Dezember könnte sich das Stück für Stück ändern. Je mehr Verbraucher die neue gesetzliche Flexibilität schätzen lernen, umso attraktiver dürfte früher oder später auch die eSIM werden. Netter Nebeneffekt: Mit dem Aus der SIM-Karten würden auch Millionen von Tonnen Plastikmüll ausbleiben. Bis dahin wird es unserer Einschätzung nach aber noch einige Zeit dauern, zumal der Umgang mit der eSIM Erfahrungen aus der Redaktion nach noch ausbaufähig ist.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf www.giga.de